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«Fremds Land»: Erlebnisreiche Dreharbeiten in Amerika

«Glaubenberg ist nicht die Prärie»

Dreharbeiten für «Fremds Land» in Amerika: Warum Regisseur Luke Gasser trotz reibungslosem Dreh ins Schwitzen kam.

Im März begannen auf der Mörlialp bei Schneefall und Minustemperaturen die Dreharbeiten zum Auswandererepos «Fremds Land» von Luke Gasser. Rund sechzig Laiendarsteller stapften in französischen Soldatenuniformen durch den knietiefen Schnee. Nach der bitteren Kälte und unzähligen Drehtagen zog es das Filmteam an die Wärme. Weg. Weit weg. Eine achtköpfige Filmcrew unter der Leitung von Luke Gasser und Danny Ming reiste im Juli in die USA. Nach Buffalo, Wyoming. Dorthin, wo das Gras gelb ist. Und wo sich - die Rocky Mountains im Rücken - der Blick des Betrachters in der unendlichen Weite verliert.

Der Zufall führte Regie...

Die Vorbereitungen begannen ein Jahr zuvor: Während zweier Monate hielten Danny Ming und Luke Gasser in den USA Ausschau nach geeigneten Drehplätzen. Kurz nach dem Passieren der Grenze Wyomings war der Tank des Mietautos leer. Am Fusse der Rocky Mountains, in einem kleinen Städtchen namens Buffalo, mit 3500 Einwohnern, fanden sie schliesslich eine Tankstelle. Und ein Bijou: Das Jim Gatchell Memorial Museum über die ersten Siedler dieses Fleckchens Erde. Sie lernten Gary «Andy» Anderson, den Museumsdirektor, kennen und erzählten von ihrem Filmprojekt. Er werde alles für den Dreh in einem Jahr vorbereiten, gab er begeistert zu verstehen. Mittels E-Mail hielt Luke Gasser nach seiner Rückkehr in die Schweiz Kontakt mit dem Museumsdirektor, benachrichtigte ihn über den Stand der Dreharbeiten und meldete seine Wünsche betreffend Ausstattung an.

Begegnung mit den Cheyenne

«Die Organisation klappte reibungslos», so Luke Gasser. «Der Aufwand, die Hilfsbereitschaft und die Begeisterung der beteiligten Personen überraschten uns. Einer fuhr über 100 Kilometer weit, um uns ein paar Tipis zu bringen.» Zehn Indianerzelte, ein Planwagen, drei Maultiere und sieben Pferde standen schliesslich den Schauspielern zur Verfügung. Das Polizeikorps übernahm organisatorische Abklärungen, Baustellen wurden vorübergehend stillgelegt, Touristen von den beim Dreh benötigten Sehenswürdigkeiten Fort Casper und Fort Phil Kearny fern gehalten. Die Zeitungen berichteten über das «Swiss film team» und die Bewohner von Buffalo erkundigten sich rege nach dem Stand der Dreharbeiten. In der Person von Denver Rohner - seine Vorfahren stammten aus dem Schwarzwald - bekam die Filmcrew einen ortskundigen Führer und Experten in Sachen Mountain Men - besser bekannt als Trapper - zur Seite. Er hat das Team zwei Wochen lang begleitet und im Film selbst eine kleinere Rolle übernommen. Der begeisterte Mountain Men-Darsteller hat Hollywood-Erfahrung: In «Angel Heart» mit Robert De Niro und Mickey Rourke ist er kurz in einer kleinen Nebenrolle zu sehen, wie auch in zwei weiteren Hollywood-Streifen. «Wir haben ausgezeichnete Schauspieler gefunden», sagt Luke Gasser. «Diese Laiendarsteller wirken authentischer als professionelle Schauspieler, weil sie ihre Rolle leben.» Zu den Laiendarstellern gehörten neben zwanzig «Blauröcken» auch zwei Indianer des Stammes der Cheyenne. «Die Begegnung mit den Cheyenne war sehr beeindruckend», schwärmt Luke Gasser. Häuptling Johnny Russell, der sich über die Grenzen Nordamerikas hinaus für die Rechte der indianischen Völker stark macht, empfing die Fremden aus der Schweiz und hielt für Luke Gasser und Danny Ming eine «Sweat-Lodge» ab - eine spirituelle Zeremonie in einem saunaähnlichen Gotteshaus, die mindestens einmal wöchentlich durchgeführt wird. Rund ein Dutzend Personen sassen kreisförmig um die rot glühenden Steine, die mit Wasser übergossen und mit Kräutern bestreut wurden. Nach Gebeten und Gesängen folgte eine kurze Verschnaufpause an der frischen Luft, bis die nächste Runde eingeläutet und heisse Steine nachgelegt wurden. Die «Sweat-Lodge» - an der Medizinmänner, Zeremonienmeister und hohe Würdenträger der Cheyenne sowie die beiden Gäste aus Obwalden teilnahmen - ging über sechs Runden. Die heiligen Sonnentanzgesänge wurden dargeboten. Kontaktperson Patrick konnte sich nicht daran erinnern, dass Weisse diese je gehört hätten... Anschliessend begrüsste der Häuptling die Gäste und sicherte seine Hilfe für die Realisierung des Filmprojektes zu.

«Licht ist anders - und die Weite»

«Es war immer ein Jugendtraum von mir, einen Western zu drehen. Doch ich wollte erst dann einen realisieren, wenn ich eine gute Geschichte habe, die mich als Schweizer dazu berechtigt, einen derartigen Stoff zu verfilmen. Ich wollte sicher keinen Cowboyfilm machen. Die Auswanderergeschichte schien mir dazu geeignet.» Und auch die Tatsache, dass Luke Gasser in seinem Verwandtenkreis Personen hat, die in den Fünfzigerjahren in den USA ihr Glück versuchten, hat ihn motiviert, seine Drehbuchidee umzusetzen. Doch: «Amerika ist landschaftlich halt nicht so wie die Innerschweiz. Das Licht ist anders - und die Weite fehlt. Der Glaubenberg ist nun mal nicht die Prärie. Und woher bekommt man in Obwalden Tipis und echte Indianer? Die Szenen wären hier nicht machbar gewesen.» Und so zog es Luke Gasser und seine Filmcrew nach Nordamerika.

Der Besuch des «Senators»

Zwei Wochen dauerten die Vorbereitungen in Übersee, und zwei Wochen beanspruchte der Dreh. Etwa ein Drittel des Filmes spielt in Amerika. Die technische Ausrüstung war mit rund 60 Kilogramm Gewicht relativ bescheiden: Kamera, Stativ, Monitoring und Tonmischpult. Bis zu zwei Stunden An- und Rückfahrtsweg zu den einzelnen Drehorten verlängerten die ohnehin schon intensiven Arbeitstage. Am Abend war jedoch noch nicht Feierabend. Die Filmcrew lud die einheimischen Laiendarsteller zu einem Essen oder Bier ein - als Gegenleistung für ihren unentgeltlichen Einsatz. Die aus der Schweiz mitgebrachten «Original Krummen», erwiesen sich als grosser Renner. Schachteln wurden geleert, Hosentaschen gefüllt. Über Politik wurde diskutiert, und wohl auch über Obwalden. Besondere Beachtung fand Nationalrat Adrian Imfeld, der als Begleiter mitgereist war. Washington scheint Welten von Wyoming entfernt. Umso erstaunlicher reagierten die Einwohner deshalb, als sie erfuhren, dass der Obwaldner «Senator» ihren sonst vom politischen Geschehen unbeachteten Ort besuchte. «But has to work, said Gasser», war in der lokalen Zeitung zu lesen.

Filmstart im nächsten Jahr

Nach der Rückkehr in die Schweiz stehen für das Filmteam im Herbst noch zwei, drei Drehtage an. Der Rohschnitt der in der Schweiz abgedrehten Szenen ist bereits abgeschlossen, der Soundtrack ist fast fertig. Es folgen noch die Bearbeitung der in Nordamerika gedrehten Sequenzen, die Untertitelung einzelner Szenen mit den amerikanischen Darstellern sowie die computerunterstützte Nachbearbeitung von Ton und Bild. Verläuft alles nach Plan, sollte «Fremds Land» Ende Jahr fertig gestellt sein und nächstes Jahr in den Kinos anlaufen. Bis zum Kinostart bleibt für die Mitglieder der Filmcrew noch viel Arbeit, die Erinnerung, wie sie für einen Monat den Alltagstrott des lauschigen Ortes durchbrachen und die «Krummen» nach Amerika brachten. Nach Buffalo, Wyoming. Wo das Gras gelb ist. Und wo sich - die Rocky Mountains im Rücken - der Blick des Betrachters in der unendlichen Weite verliert.

Peter Küchler


(Obwaldner Wochenblatt - Freitag, 23. August 2002, Nr. 34)



Macht gute Filme

FACTS stellt fünf Schweizer Filmschaffenden Fragen zur Gegenwart und zu den Perspektiven des Schweizer Films:

Hat der Schweizer Film sein eher schlechtes Image verdient?
Florian Froschmayer: "Das Image kommt nicht aus dem Nichts, es hat sich festgesetzt"
Luke Gasser: "Ja. Mit wenigen Ausnahmen. Ein Image erhält man nach mehreren Jahren. Es ist deshalb auch meistens verdient."

Was braucht der Schweizer Film am dringendsten?
Peter Sterk: Spannende Drehbücher, Stars und Regisseure mit eigener publikumswirksamer Handschrift".
Luke Gasser: "Das brennende Interesse, etwas filmisch umsetzen zu wollen."
Florian Froschmever: "Und Geld."

Was braucht der Schweizer Film definitiv nicht?
Anna Luif: Streit und Missgunst in der Branche."
Ricardo Siqnorell: "Eine zerstrittene Branche."
Luke Gasser: „Die unendliche, lustlose, intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Staat Schweiz und mit der Schweizerart..."
Peter Sterk: „Filme, die das Publikum frustriert aus dem Saal entlassen und das alte Image des langweiligen, lustfeindlichen Schweizer Film nähern. nähren."

(FACTS, Nr. 31, 2. August 2001)



Beresina auf der Alp

Nach dem Erfolg seines low-low-budget-Erstling "Baschis Vergeltung" nimmt der Bildhauer, Musiker, Autor, Schauspieler und Regisseur aus der Innerschweiz nun sein Auswanderer- und Söldnerdrama "Fremds Land" in Angriff. Ein Teil der Saga spielt in den USA, die 1. Klappe aber fällt am 1. März auf der Mörlialp ob Giswil OW. Sie wird zur Naturkulisse für Kampfszenen aus der napoleonischen Schlacht an der Beresina.

(TR7, Nr. 10, 2. März 2002)



Vier Schwingerkönige verhaftet

Vier ganz schwere Jungs wurden am Samstag in Ketten gelegt und abgeführt. Die Schwingerkönige Ruedi Hunsperger (56), Noldi Ehrensberger (48), Harry Knüsel (41) und Silvio Rüfenacht (31): Bevor die vier wegen einer Schlägerei verhafteten Männer nach Moskau verfrachtet wurden, fiel die Klappe. Die vier Muskelpakete stehen nämlich für den Film "Fremds Land" von Luke Gasser vor der Kamera.

(BLICK, 15. April 2002)